Letzter Tag auf Zeche Auguste Victoria in Marl

20. Dezember 2015

Tränen unterm Förderturm

Nach 116 Jahren endete heute (18.12.2015) in der Bergbaustadt Marl die Ära der Steinkohleförderung. Die Kumpel auf der Zeche Auguste Victoria (AV) holten symbolisch die letzte Lore nach oben. Die Stadt will so schnell wie möglich neue Arbeitsplätze auf dem Gelände der Zeche schaffen.

Andreas Clement ist mulmig zumute. Der Bergmann weiß, wie sich eine Zechenschließung anfühlt. Denn er hat schon vor einigen Jahren wenige Kilometer weiter das Bergwerk Ewald in Herten zu Grabe getragen.
„Auf Auguste Victoria bin ich auch schon 15 Jahre, das ist meine zweite Heimat geworden. Ich glaube schon, dass da am letzten Tag eine Träne fließen wird.“

Clement war unter Tage dafür zuständig, den Wind zu messen und wichtige Wetterdaten zu sammeln. Für ihn und die anderen mehr als 1.000 Kumpel ist der heutige Tag ein sehr schwerer.

Auch wenn am letzten Tag keine Kohle mehr gefördert wurde, fuhren die Kumpel wie gewohnt ein. Statt Kohle zu fördern, begannen sie bereits heute zu „rauben“. So nennt man es, wenn Material der Bergbauproduktion aus der Tiefe an die Oberfläche geholt wird – wie zum Beispiel Maschinen. Sie werden auf Schäden überprüft, verwendbares Material wie beispielsweise Grubenbänder werden an das Bergwerk Prosper in Bottrop weiterverkauft.

Abschied mit zahlreichen Gästen

Beim Festakt wird symbolisch der letzte Förderwagen mit Kohle aus den Schächten der Auguste Victoria geholt. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Ruhrkohle-Chor und der AV-Kapelle. Einer der Bergmänner brachte nach alter Tradition die letzte Kohle aus dem Bergwerk mit bloßen Händen nach oben. Auf der Rednerliste standen neben Werksleiter Jürgen Kroker auch der Vorstandsvorsitzende der RAG AG Bernd Tönjes. Abschiedsworte hielten auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der RAG Norbert Maus und der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE Michael Vassiliadis.

Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach zu der Belegschaft. Sie versprach der Region Unterstützung für den Strukturwandel.

Herausforderung für die Stadt Marl

Die Fördertürme bleiben stehen

Das Ende des Steinkohlenbergbaus ist eine große Herausforderung für den Marler Bürgermeister Werner Arndt. Der gebürtige Marler und gelernter Bergbauelektriker entstammt einer Bergbaufamilie. Er kennt daher den Verlust, den viele Familien mit der Zechenschließung verbinden. Werner Arndt blickt aber zuversichtlich in die Zukunft: „Ich gehöre nicht zu denen, die den Kopf in den Sand stecken und sagen: Weh und ach. Wie schade ist das denn. Es ist natürlich Schade, aber wir müssen nach vorne gucken.“

Aus der Erfahrung anderer Städte weiß man, dass die Entwicklung ehemaliger Bergbauflächen zu neuen Industriegebieten viele Jahre dauern kann. Darum hat man in Marl bereits vor zwei Jahren mit Unterstützung des Landes NRW eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Darin zeigt sich die ideale Lage des rund 90 Hektar großen Zechengeländes. Es grenzt direkt an den Chemiepark Marl und den Kanal. Auch ein Eisenbahnanschluss und eine Autobahnanbindung sind vorhanden.

Ziel ist es, auf dem ehemaligen Gelände rund 1.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Rein optisch wird sich das Gelände dabei stark verändern. Es gibt aber Pläne, die Fördertürme als weit sichtbare Landmarken zu erhalten. Ganz verschwinden werden die Spuren des Bergbaus ohnehin im Ruhrgebiet nie. Darauf weist auch Werner Müller von der RAG-Stiftung hin, dass das Grubenwasser auch nach der Schließung der Zechen, rund um die Uhr abgepumpt werden muss: „So lange Leute im Ruhrgebiet leben, wird man eine Wasserhaltung betreiben, sonst würden Seen entstehen. Und das ist in der Tat ewig, deshalb ist von Ewigkeitskosten die Rede.“

Nur noch zwei Zechen in NRW

Mit dem heutigen Tag gibt es nur noch zwei Zechen in Nordrhein-Westfalen. Die Zeche Prosper-Haniel im rund 15 Kilometer entfernten Bottrop und die Zeche Anthrazit im münsterländischen Ibbenbüren. Auch diese beiden Bergwerke werden aber geschlossen. Ihre letzten Schichten sind für den 31. Dezember 2018 terminiert.

Für die Mitarbeiter der Zeche Auguste Victoria wird der heutige Tag in mehrfacher Hinsicht unvergesslich. Denn der Geschäftsführer des FC Schalke 04, Peter Peters, der heute auch eine Rede halten wird, hat die Belegschaft zum Heimspiel heute Abend in die Arena eingeladen. Die Mannschaften des Vereins werden wegen der Verbundenheit zum Bergbau auch ?Knappen? genannt.

Bilder und Video gibt es hier

Ein weiterer Videoclip

RWE will Töchter zusammenlegen

5. Juli 2015

Der unter Druck geratene RWE-Konzern arbeitet an der Reform seiner Strukturen. Töchter werden zusammengelegt oder mit der Mutter verschmolzen. Das Unternehmen wird sein Gesicht stark verändern.

Essen/Düsseldorf. Angesichts massiv gefallener Gewinne aus der Stromerzeugung tritt Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE mit einem internen Umbau auf die Kostenbremse. Der Aufsichtsrat habe schon vor längerer Zeit den Vorstand mit einem entsprechenden Konzept beauftragt, sagte ein Sprecherin am Samstag auf Anfrage. Ein Abbau von Personal stehe nicht im Fokus, es gehe um einfachere Strukturen.

Die ?Rheinische Post? (Samstag) hatte berichtet, dazu sollten Töchter zusammengelegt oder mit dem Mutterkonzern verschmolzen werden. Das Blatt schrieb unter Berufung auf Unternehmenskreise, der RWE-Aufsichtsrat werde auf einer Sondersitzung am 10. August über die Pläne von Vorstandschef Peter Terium beraten. Diese Details und den Termin der Sitzung selbst wollte die Sprecherin nicht kommentieren. Das Vorhaben der RWE-Führungsspitze ist grundsätzlich bereits länger bekannt. Das Programm zum internen Umbau und zur Stärkung des ?Stammhauses? – der Holding RWE AG – trägt den Titel ?Parent?.

Die Gewerkschaft Verdi mahnte den Schutz von Arbeitnehmerrechten an. Bei der geplanten Zusammenlegung dürften diese nicht ausgehöhlt werden, und die Mitbestimmung müsse ihren Einfluss behalten, sagte der Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, Hans-Peter Lafos, laut der Zeitung. Bei RWE gab es Ende 2014 knapp 60 000 Vollzeitstellen.
Der Konzern hat allein sieben Töchter – teils mit gesonderten Vorständen und Aufsichtsräten, die teilweise wiederum Subunternehmen führen. Das gilt etwa für die RWE Deutschland AG in Essen mit ihrer Vertriebstochter in Dortmund. Beide Gesellschaften sollen dem Bericht zufolge verschmolzen werden.

Verschachtelte Struktur

Die verschachtelte Struktur des nach Eon führenden deutschen Energieanbieters ist teils historisch bedingt. So musste RWE nach der Fusion mit VEW (Dortmund) im Jahr 2000 garantieren, Jobs in Dortmund zu belassen. Typisch für das Unternehmen ist auch der große Einfluss der nordrhein-westfälischen Kommunen, die bis heute rund 25 Prozent der Anteile halten. Es werde nichts an der regionalen Verankerung des Konzerns verändert, betonte die RWE-Sprecherin am Samstag.

Mit seiner Strukturreform reagiert RWE auf den Einbruch in der Stromerzeugung mit Gas- und Kohlekraftwerken und auf den starken Verfall der Erlöse an den Strombörsen. So liegt der Preis für die Megawattstunde Strom am jeweiligen Folgetag derzeit nur bei rund 25 Euro – 2011 war es noch mehr als doppelt soviel. Grund ist unter anderem das große Konkurrenzangebot an Wind- und Sonnenstrom.

Terium hatte bei der Bilanzvorlage im März sogar betriebliche Verluste in der Stromerzeugung ?in nicht allzu ferner Zukunft? prognostiziert, sollte sich an diesem Preisniveau nichts ändern. Das Ergebnis der Stromerzeugung – lange Jahre ein zentraler Erlösbringer für RWE und die gesamte Energiewirtschaft – war 2014 um fast ein Drittel auf etwa eine Milliarde Euro gesunken.
Der Marktführer Eon hat noch radikaler reagiert und spaltet seine konventionelle Erzeugung komplett vom Ökostrom-Geschäft ab. RWE will dagegen am bisherigen Geschäftsmodell prinzipiell festhalten. Der Konzern muss deshalb gegen seine schrumpfenden Erlöse ansparen.

2. Juli 2015

Koalitionsausschuss legt künftige Energiepolitik fest
Gute Weichenstellung

Berlin/Hannover. Der Koalitionsausschuss hat am Mittwochabend (1. Juli) Eckpunkte der künftigen Energiepolitik festgelegt. Dazu erklärt der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis:

?Die IG BCE begrüßt die in der Nacht getroffenen energiepolitischen Entscheidungen der Koalitionsspitzen. Nach einer langen und strittigen Debatte ist es gelungen, tragfähige Lösungen zu finden, die gut sind für das Klima, die Arbeitsplätze und die industriellen Standorte. Sie verbinden die Klima-Ziele der Bundesregierung mit ökonomischer Vernunft und sozialer Verantwortung. Das ist ausgewogen und verdient Respekt und Unterstützung.

Mit dem beschlossenen Mix an Maßnahmen wird zum einen Versorgungssicherheit garantiert, zum anderen in Energieeffizienz investiert. Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel sind werthaltig angelegt, weil so wichtige Voraussetzungen geschaffen werden für eine erfolgreiche Energiewende.

Für die Beschäftigten in der Energiewirtschaft ist auch die jetzige Entscheidung mit Härten verbunden. Allerdings gibt es nun die Chance, die schrittweise Stilllegung von wenigen Kraftwerken ohne Entlassungen in der Energiewirtschaft sozialverträglich zu gestalten.

Wichtig ist, dass die Unternehmen Planungssicherheit erhalten und dass es zu keinen Strukturbrüchen in den Regionen kommt, die von der Braunkohle geprägt sind. Es ist anerkennenswert, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die gut begründeten Sorgen der Unternehmen und Beschäftigten aufgegriffen hat und die Klima-Ziele der Bundesregierung nun nicht allein von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu tragen sind.?

Gemeinsamer Brief der Konzernbetriebsräte an Minister Gabriel

2. April 2015

02.04.2015 ? 17:43Energie
Sehr geehrter Herr Bundesminister,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 31. März 2015, mit dem Sie in den Dialog mit uns Betriebsräten der Energieversorger in Deutschland treten. Mit diesem Brief möchten wir Ihr Dialogangebot nutzen, denn bisher hatten Sie persönlich in dieser Sache nicht mit uns gesprochen.

Wir Betriebsräte und unsere Gewerkschaften unterstützen die Energiewende und den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Auch wir wollen eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Energieversorgung für uns und unser Land. Dabei ist uns klar, dass der dafür nötige tiefgreifende Umbau der Energielandschaft unsere Unternehmen vor enorme Herausforderungen stellen muss. Wir erleben das jeden Tag – am Arbeitsplatz bei uns selbst und bei unseren Kollegen.

Unsere Unternehmen haben die Herausforderung „Energiewende“ als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angenommen und arbeiten seit Jahren hart daran, diese zu meistern. Wir Betriebsräte haben Kostensenkungsprogrammen und Umstrukturierungen zugestimmt und unterstützen diese im Sinne unseres gemeinsamen Ziels: die Wirtschaftlichkeit unserer Kraftwerke zu erhalten und zu verbessern und damit Arbeitsplätze für tausende Kolleginnen und Kollegen zu sichern.

Die Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels verlangen unseren Kolleginnen und Kollegen bereits jetzt enorm viel ab. Die veränderten Marktbedingungen und Einsatzzeiten unserer Kraftwerke, die mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien einhergehen, bedeuten für die Kolleginnen und Kollegen vor Ort ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft – unabhängig von ihrer Position, ihrer Ausbildung oder ihrem Alters.

Sie schreiben, Sie möchten den Strukturwandel ermöglichen. Wir können mit Sicherheit sagen: Wir stecken bereits mitten drin! Sie wissen selbst, dass viele Kraftwerke bereits stillgelegt oder zur Stilllegung angemeldet worden sind – ohne größeres Aufhebens und mit einem hohen Maß an Verständnis und Mitarbeit in der Belegschaft. Aber unsere Aufgabe war, ist und bleibt, dass der Strukturwandel weiterhin so sozialverträglich wie möglich vonstatten geht. Wir sind von den Kolleginnen und Kollegen als deren Interessensvertreter gewählt und wir haben die Pflicht, für unsere Kolleginnen und Kollegen und deren Arbeitsplätze zu kämpfen!

Ihre Pläne für ein nationales Klimaschutzinstrument, von denen wir aus den Medien erfahren haben, ermöglichen gerade keinen sozialverträglichen Strukturwandel mehr. Hier geht es nicht um eine schrittweise Veränderung – die wir alle bereits seit Jahren mitgestalten -, sondern hier geht es um Strukturbrüche. Sie sagen, Sie wollen genau diese Brüche vermeiden. Wir müssen dazu sagen: Das passt nicht zu den in Ihrem Papier dargelegten Maßnahmen!

Sehr geehrter Herr Bundesminister, wir haben das Gefühl, dass hinter diesem Konzept weit mehr steckt, als Sie oder Ihr Ministerium gegenwärtig behaupten. Warum glauben wir das? Bei einer Umsetzung des nationalen Klimaschutzinstruments müssten viele weitere Kraftwerke sofort stillgelegt werden, denn Strafabgaben oder die deutliche Reduzierung der Benutzungsstunden überleben diese Anlagen wirtschaftlich einfach nicht.

Doch damit nicht genug: Die den Kraftwerken vorgelagerten Betriebe, wie etwa Tagebaue, wären so stark eingeschränkt, dass auch hier ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich wäre. Sofortige Schließungen wären die Folge.

Diesen Prozessen nachgelagert sind Einzelhandel, Dienstleistungen und Zulieferunternehmen in den betroffenen Regionen, die dadurch ebenfalls betroffen wären. Und nicht zuletzt wären auch die Beschäftigten in der stromintensiven Industrie massiv tangiert, für die die höheren Strompreise eine Abwanderung ihrer Unternehmen ins Ausland bedeuten.

Das ist alles andere als eine „win-win-Situation“, wie es auf Neudeutsch heißt! In Deutschland gibt es dabei nur Verlierer und diese Verlierer sind insbesondere unsere Kolleginnen und Kollegen! Zudem ist mehr als zweifelhaft, ob angesichts des europäischen Emissionshandels mit Ihrem nationalen Alleingang tatsächlich etwas für den Klimaschutz gewonnen würde, so wie behauptet.

Sie schreiben, Sie hätten bereits im November letzten Jahres eine gemeinsame Lösung mit den Unternehmen und Verbänden erarbeiten wollen. Seit vielen Monaten spricht sich unsere Branche eindeutig für ein Marktdesign aus, das eine sichere und bezahlbare Energieversorgung in Deutschland möglich macht. Sie möchten diesem Vorschlag – wie wir hören – nicht folgen. Aber auch die von Ihnen bevorzugte Wiederbelebung des Energy-Only-Marktes löst die Probleme nicht, weder kurz- noch längerfristig. Mit diesem Vorgehen wird das Strukturproblem mangelnder Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken nicht behoben. Fraglich ist darüber hinaus, ob rein politische Bekenntnisse zur Erlaubnis von hohen Preisspitzen ausreichen, das Vertrauen in den Markt wiederherzustellen und das Investorendilemma zu beseitigen. Um Kollateralschäden zu vermeiden, bedarf es jetzt vor allem kurzfristig einer Reform der Regelungen für jene Kraftwerke, deren Stilllegung aus Gründen der Versorgungssicherheit untersagt wird und die dem politischen Vernehmen nach für die Energiewende auch künftig dringend gebraucht werden.

In Sachen Klimaschutz ist die Branche schon immer gesprächsbereit gewesen und hat deutlich gemacht, dass wir die Initiativen zur Stärkung des europäischen Emissionshandels unterstützen.

Wenn es Ihnen, wie Sie sagen, darum geht, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, dann kann eine solche Zusammenarbeit aber nicht darin bestehen, dass die Vorschläge und Vorstellungen Ihres Ministeriums von unserer Branche klaglos akzeptiert und hingenommen werden. Das wurde auch bei dem von Ihnen erwähnten Gespräch über Marktdesign, Versorgungssicherheit und Klimaschutz deutlich. Betriebsräte, Gewerkschaften und Unternehmen lassen sich an dieser Stelle nicht auseinanderdividieren. Sie werden verstehen, dass die Unterstützung der Energiewende durch uns Arbeitnehmervertreter dort endet, wo sie einseitig auf dem Rücken unserer Kolleginnen und Kollegen ausgetragen wird! Dass wir Ihr nationales Klimaschutzinstrument, das einseitig nur unsere Unternehmen und Arbeitsplätze trifft, im Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen ablehnen müssen, ist klar! Die Ängste und Sorgen der Belegschaft sind groß. Wir haben nicht umsonst zu Demonstrationen aufgerufen und wir werden auch weiter mit Nachdruck darum kämpfen, dass solche Vorschläge vom Tisch kommen. Erst dann ist die Möglichkeit gegeben, gemeinsam und konstruktiv Lösungen zu suchen.

Sehr geehrter Herr Bundesminister, den Medien haben wir entnommen, dass Sie offen für die Diskussion auch anderer Modelle zur Erreichung der Klimaschutzziele sind. Das finden wir gut und sind gespannt auf die weiteren Diskussionen, die Sie ja auch mit unseren Gewerkschaften führen wollen. Dieser Dialog ist wichtig und dafür stehen wir als Betriebsräte ebenso wie die Gewerkschaften jederzeit zur Verfügung.

?Vorsichtige Entwarnung für Braunkohle bei

28. März 2015

SPD-Landtagsabgeordneter Guido van den Berg freut sich über Einigung zur Erarbeitung von Alternativkonzepten

Der angekündigte Protest der RWE-Mitarbeiter, der kurzfristig wegen des Absturzes des Flug-zeugs in den französischen Alpen abgesagt
werden musste, scheint trotzdem viel Wirkung gehabt zu haben? stellt Guido van den Berg fest. Am Freitagnachmittag erreichte den SPD-Land-tagsabgeordneten die Nachricht, dass Bundes-wirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Landes-wirtschaftsministern der SPD aus
Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen entgegen gekommen ist.
?Mir fällt ein Stein vom Herzen? erklärte Guido van den Berg, der gemeinsam mit dem Gesamt-betriebsrat von RWE und seinen Abgeordneten-kollegen am Montag und Dienstag erfolgreich für eine klare Positionierung der NRW-SPD zu den Braunkohlen-Plänen geworben hatte, die das Bundeswirtschaftsministerium in Abstimmung mit dem Kanzleramt vorstellte. Am Donnerstag, war der Bedburger Landtagsabgeordnete selber zu Hintergrundgesprächen nach Berlin gereist.
?Jetzt können wir eine erste vorsichtige Entwarnung geben? sagt Guido van den Berg.
Gabriel soll nach Teilnehmerangaben bei dem Treffen mit den Landes-Energieministern gesagt haben, dass Nichts von seinen Vorschlägen sei in Stein gemeißelt sei und keines der Horrorsze-narien Realität werden solle. Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung Nordrhein-Westfalens, Brandenburgs, Sachsens und der Gewerkschaften
soll jetzt Alternativvorschläge erarbeiten und könnten auch noch mal systematisch von vorne anfangen.
?Man spürt die Einsicht, dass es ein Fehler war, 90 Prozent der Kraftwerke freistellen zu wollen und letztlich fast ausschließlich den Energieträger Braunkohle belasten zu wollen. Das hätte zwan-gsläufig den Strukturbruch bedeutet. Jetzt kann neu überlegt werden, wie die die geplanten 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Einsparung auf
alle 500 Kraftwerke in Deutschland diskriminier-ungsfrei verteilt werden können?, stellt Guido van den Berg fest.

RWE verhandelt mit arabischem Großinvestor

21. März 2015

Aktie geht steil nach oben

Ein arabischer Investor könnte mit einer Milliardensumme bei dem angeschlagenen Versorger RWE einsteigen. Wie der Dax-Konzern bestätigt, gibt es eine entsprechende Anfrage. Die Börse jubiliert – auch, weil deutsche Kommunen dadurch an Macht verlieren würden.

Der angeschlagene Energiekonzern RWE spricht mit einem Großinvestor aus dem arabischen Raum über eine mögliche Kooperation. Der Investor habe RWE bereits vor einigen Monaten angesprochen, sagte eine Konzernsprecherin auf Nachfrage. „Wir prüfen derzeit verschiedene Arten der Kooperation.“ Mehr lasse sich dazu derzeit aber nicht sagen.

Kräftig nach oben schoss die Aktie von RWE am Nachmittag. Die Versorgertitel zogen um bis zu 5,6 Prozent auf 24,99 Euro an und setzten sich an die Spitze der Dax-Gewinner. Auslöser war die Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach der mögliche Investor aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi stammen soll. Dieser könnte möglicherweise einen zehnprozentigen Anteil an dem Versorger übernehmen. Eine solche Transaktion hätte einen Wert von 1,4 Milliarden Euro.

Das wäre der lange ersehnte Ankeraktionär, der den manchmal etwas belastenden Einfluss der Kommunen zurückdrängen könnte“, sagte ein Händler. Die Kommunen halten derzeit rund ein Viertel der RWE-Aktien. Durch einen Einstieg eines Investors aus Abu Dhabi dürfte der politische Einfluss auf RWE damit sinken, was der Markt sehr positiv sehe, so der Händler weiter. Sollten sich die Pläne tatsächlich materialisieren, sei mit einem längeren Kursaufschwung bei RWE zu rechnen, hieß es im Handel.

Quelle: n-tv.de , kst/DJ/rts

Geplante CO2-Abgabe

21. März 2015

Braunkohle-Aus kostet 30.000 Jobs bei RWE
bagger_nacht
Die Bundesregierung will die Erfüllung der Klimaziele ehrgeiziger verfolgen und plant eine neue CO2-Abgabe. Die versetzt nun den Energieriesen RWE in Angst: Das Unternehmen sieht die Braunkohle in Gefahr, zehntausende Arbeitsplätze stünden auf der Kippe.

RWE sieht die Zukunft der Braunkohle in Deutschland in Gefahr. Die Vorschläge der Bundesregierung für eine neue CO2-Abgabe für alte Kraftwerke leite „bereits kurzfristig den Ausstieg aus der gesamten Braunkohle“ ein, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

Die Bundesregierung plant, den Stromversorgern ab 2017 höhere Abgaben für den CO2-Ausstoß aufzuerlegen, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Die Regelung soll allerdings nur Kraftwerke betreffen, die älter als 20 Jahre sind. Das geht aus einem Eckpunktepapier des Wirtschaftsministeriums hervor.

Die geplante Abgabe würde RWE mit seinen alten Braunkohlekraftwerken besonders stark treffen. „Nicht nur Kraftwerke, sondern auch die angeschlossenen Tagebaue und Betriebe müssten stillgelegt werden“, heißt es in der RWE-Mitteilung. „Die Restrukturierungskosten für die betroffenen Unternehmen gingen in die Milliarden.“ Mindestens 30.000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel.

RWE hat laut einer Sprecherin Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 10 Gigawatt. Die Anlagen steuerten im Jahr 2013 rund ein Viertel der Stromproduktion des Konzerns bei. Der zweite große Betreiber von Braunkohlekraftwerken in Deutschland ist Vattenfall. Der schwedische Konzern sucht derzeit nach einem Käufer für seine Anlagen in Ostdeutschland.

Quelle: n-tv.de , bdk/DJ

Bundesregierung will Braunkohle aus dem Strommarkt drängen / „Klimabeitrag“ als Deckmantel – Versorgungssicherheit leichtfertig auf Spiel gesetzt

20. März 2015

napresseportal

Köln (ots) – Die deutsche Braunkohlenindustrie weist die vom Bundeswirtschafts- und Energieminister vorgelegten Vorschläge zur Belastung der Braunkohlengewinnung und -stromerzeugung scharf zurück. Der DEBRIV-Vorstandsvorsitzende Matthias Hartung erklärte in einer ersten Reaktion: „Die Bundesregierung stellt den Versorgungsbeitrag des einzigen heimischen Energieträgers in Frage, der im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig ist und den Industriestandort Deutschland maßgeblich sichert.“

Durch die vordergründig klimapolitisch begründete Auflage, zusätzlich zu den Zertifikaten des europäischen Emissionshandels weitere Emissionsberechtigungen im Wert von bis zu 20 Euro zu erwerben, würde sich nach Berechnungen des DEBRIV die Braunkohlenstromerzeugung in den betroffenen Anlagen drastisch verteuern. Dies würde unmittelbar mehr als die Hälfte des bestehenden Kraftwerksparks von insgesamt gut 20.000 MW in die Unwirtschaftlichkeit treiben.

Da Tagebaue und Kraftwerke in einem abgestimmten Verbundbetrieb arbeiten, würde sich gleichzeitig die Bereitstellung der Braunkohle für die verbleibenden Anlagen erheblich verteuern und damit eine Spirale der ökonomischen Auszehrung in Gang gesetzt.

Die negativen Folgen einer massiven Verringerung der Braunkohlennutzung für die Versorgungssicherheit sind angesichts steigender geostrategischer Risiken und des noch nicht bewältigten nationalen Kernenergieausstiegs unkalkulierbar. Die regionalen Auswirkungen sind potenziell katastrophal. Insgesamt betroffen wären mehr als 70.000 inländische Arbeitsplätze in eher monostrukturierten Regionen. Außerdem würde die für den Industriestandort Deutschland existenzielle Bereitstellung von preis- und versorgungssicherem Grundlaststrom innerhalb weniger Jahre aufgegeben.

Eine erste rechtliche Einschätzung des Vorschlags ist Anlass für größte Bedenken, dass die vorgeschlagenen Eingriffe rechtsstaatskonform sind.

Die Braunkohlenindustrie fordert die Rücknahme der Vorschläge und eine Sachdiskussion, wie das energiepolitische Zieledreieck einer sicheren, wirtschaftlichen und umweltgerechten Stromversorgung sowie Rechts- und Planungssicherheit für Unternehmen und die betroffenen Menschen weiter gewährleistet werden sollen.

Braunkohle bleibt wichtigste heimische Energieressource / Akzeptanz vorhanden / Arthur D. Little: Braunkohle macht Strom sicher und wettbewerbsfähig

12. März 2015

DEBRIV – Dt. Braunkohlen Industr. Verein

Köln (ots) – Fast 42 Prozent der gesamten in-ländischen Energiegewinnung entfällt auf Braun-kohle. Der im Rheinland, in der Lausitz sowie in Mitteldeutschland und in der Region Helmstedt geförderte Energierohstoff war auch 2014 die wichtigste inländische Energieressource, berichtet der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein (DEBRIV).

Auf Platz zwei folgen die erneuerbaren Energien mit einem Anteil von gut 37 Prozent. Erdöl und Erdgas sowie die inländische Steinkohlenförder-ung tragen zusammen mit einem Anteil von knapp 17 Prozent zur inländischen Energiepro-duktion bei. Insgesamt deckten heimische Ener-gieträger im vergangenen Jahr etwa 30 Prozent des gesamten deutschen Energiebedarfs. 70 Prozent mussten durch Importe, vor allem Mineralöl und Erdgas, gedeckt werden.

Am gesamten Energieverbrauch in Deutschland hatte die Braunkohle 2014 einen Anteil von 12 Prozent. Rund 90 Prozent der Gewinnung wird in Kraftwerken zu Strom umgewandelt. Mit einer Produktion von rund 156 Milliarden Kilowatt-stunden (Mrd. kWh) stammte im vergangenen Jahr erneut etwa jede vierte in Deutschland ver-brauchte Kilowattstunde Strom aus Braunkohle.

Der Beitrag der heimischen Braunkohle zur sicheren Energie- und Stromversorgung wird auch von den Bürgern geschätzt: 54 Prozent der Deutschen sind gegen das Abschalten von Braun-kohlenkraftwerken, wenn dadurch die Abhängig-keit von russischen Gaslieferungen steigt oder sich die Strompreise erhöhen. Dieses Ergebnis ergab eine aktuelle Umfrage des in Erfurt ansäs-sigen Meinungs- und Marktforschungsinstituts Insa Consulere. Die internationale Unternehmens-beratung Arthur D. Little bestätigte der deut-schen Braunkohle in einer aktuellen Untersuch-ung eine hohe Wettbewerbsfähigkeit in der Stromerzeugung und einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Grafiken zu den Ergebnissen der Insa Consulere Befragung: http://ots.ch/9RwzG

RWE: Betrieblicher Gewinn fällt um ein Viertel

11. März 2015

Im Geschäftsjahr 2014 hat der Essener Energie-konzern ein betriebliches Ergebnis von 4 Mrd. ? erzielt ? 25 % unter dem Vorjahreswert.

Deutlich besser als erwartet hingegen fiel das Ebitda mit 7,1 Mrd. ? aus, teilte RWE mit. Der Außenumsatz des Konzerns ging von 52,4 Mrd. auf 48,5 Mrd. ? zurück. Die Nettoverschuldung sei weitgehend unverändert bei 31 Mrd. ? ge-blieben.

Aufsichtsrat und Vorstand werden auf der dies-jährigen Hauptversammlung am 23. April für 2014 eine Dividende von 1 ? je Aktie vor-schlagen. Das entspricht einer Ausschüttung von 48 % des nachhaltigen Nettoergebnisses. Aller-dings will RWE die Ausschüttungspolitik ändern und die bisherige Bindung an eine Zielausschütt-ungsquote aufgeben. Von 2015 an sollen neben der Ertragslage auch die operativen Mittelzu-flüsse, die Verschuldungssituation und sich gege-benenfalls bietende Chancen für Wachstumsin-vestitionen bei der Festlegung der Dividende mit-berücksichtigt werden, heißt es von Seiten des Konzerns.

Bei Stromerzeugung und -absatz gab es eben-falls Minuswerte: So sank die Erzeugung im Stromsegment 2014 um 5 % auf 208,3 Mrd. kWh. Gründe seien die ungeplante Revision von Braunkohlekraftwerken sowie die Stilllegung eines britischen Steinkohlekraftwerks 2013. Hinzu komme das schottische Biomassekraftwerk Tilbury, das 2013 stillgelegt wurde. Der Strom-absatz sank um 5 % auf 258,3 Mrd. kWh. Der Gasabsatz fiel witterungsbedingt um 12 % auf 281,3 Mrd. kWh.

In der konventionellen Stromerzeugung sank das betriebliche Ergebnis „erwartungsgemäß“: Um 29 % auf 979 Mio. ?. Wesentliche Rolle habe der Rückgang der deutschen Stromgroßhandels-notierungen gespielt. Hinzu kommen außerplan-mäßige Abschreibungen in Höhe von 0,6 Mrd. ? für Kraftwerke in Deutschland und Großbritan-nien.

Dagegen verbesserte sich das betriebliche Ergeb-nis im deutschen Vertriebs- und Verteilnetzge-schäft im Gasgeschäft trotz witterungsbedingter Ertragseinbußen um 15 % auf 1,9 Mrd. ?. RWE habe hohe Erträge aus der Veräußerung von Netzen erzielt, so der Konzern. Darüber hinaus habe man Effizienzverbesserungen sowohl im Vertrieb als auch bei den Verteilnetzaktivitäten erreicht.

Im Unternehmensbereich „Erneuerbare Energien“ ging das Ergebnis um 8 % auf 186 Mio. ? zu-rück. Wesentlichen Anteil daran habe das schot-tische 46-MW-Biomassekraftwerk gehabt. Hinzu kam die Förderungskürzung für die Erneuerbaren in Spanien und eine Übertragung der deutschen Biomasseaktivitäten auf den Unternehmensbe-reich Vertrieb/Verteilnetze Deutschland zum 1. Jan. 14. Positiv hätten sich Sondererträge aus Schadensersatzleistungen für den verzögerten Windpark Nordsee Ost ausgewirkt. Zu positiven Effekten habe auch der Ausbau von Windkraft-kapazitäten auf das Ergebnis geführt.

Die Handelssparte RWE Supply & Trading sei
„erwartungsgemäß deutlich hinter dem Vorjahres-ergebnis“ zurückgeblieben. Grund seien Entschä-digungszahlungen aus einem Schiedsgerichts-urteil. Insgesamt kam der Unternehmensbereich auf ein betriebliches Ergebnis von 247 Mio. ?. Die Performance des Energiehandelsgeschäfts sei da-mit gegenüber 2013 deutlich besser.

Der Cash-Flow aus laufenden Geschäftstätig-keiten umfasst rd. 5,6 Mrd. ? ? ein Plus von 16 % gegenüber dem Vorjahr. Dazu trugen auch Einmaleffekte bei. Der Free Cash Flow lag mit 2,3 Mrd. ? deutlich über dem Vorjahreswert von 960 Mio. ?.

Bei den Investitionen gingen die Ausgaben um 14 % auf 3,4 Mrd. ? zurück. Rund ein Drittel dieser Kosten diente der Fertigstellung von konventionellen Kraftwerksneubauten bei der Stromerzeugung. Weitere Schwerpunkte lagen im Ausbau erneuerbarer Energien ? besonders Windanlagen an Land und im Meer ? sowie der Modernisierung der Netzinfrastruktur.

Lobend hebt RWE die Umsetzung des Effizienz-steigerungsprogramms hervor. Dieses habe sich ertragssteigernd ausgewirkt. Ende 2014 habe man bereits 1,4 Mrd. ? erreicht; 250 Mio. ? mehr als erwartet. „Wir erfüllen unsere Ziele schneller und besser als erwartet“, so RWE-Chef Peter Terium. Trotz der Krise in der konventionellen Stromerzeugung wolle man sich künftig wieder auf Wachstumsperspektiven konzentrieren,
„ohne unsere strikte finanzielle Disziplin aus den Augen zu verlieren“.

2015 will der Konzern eine Effizienzverbesserung von 1,5 Mrd. ? erzielen ? zwei Jahre früher als prognostiziert. Das Effizienzprogramm soll um weitere 500 Mio. ? auf insgesamt 2. Mrd. ? aufgestockt werden. Dennoch erwartet RWE einen weiteren Ergebnisrückgang für das nächste Jahr. Das Ebitda werde zwischen 6,1 und 6,4 Mrd. ? liegen und das betriebliche Ergebnis zwischen 3,6 und 3,9 Mrd. ?. Das nachhaltige Nettoergebnis bewegt sich voraussichtlich in einem Korridor von 1,1 bis 1,3 Mrd. ?. (sg)